Super Werbeveranstaltung für die Naturwissenschaften

Ein Paradeargument für die Attraktivität der Naturwissenschaften sind die Science Slams, in denen junge Wissenschaftler in den Ring treten, um auf möglichst verständliche wie amüsante Weise ihr Publikum von ihrem Forschungsthema zu überzeugen.

Vier sympathische Werbeträger im Einsatz für die Naturwissenschaften (von links): Frauke Seeßelberg, Matthias Mader, Ulrike Neumann und Christoph Wiedmer. (Foto: Karl-Heinz Schweigert)

So geschehen auch am Donnerstagabend im fast vollbesetzten Großen Hörsaal der Naturwissenschaftlich Technischen Akademie (nta): Vier Kandidaten stellten sich in Kurzvorträgen von jeweils zehn Minuten den buntgemischten Zuhörern, die durchaus kompetent als Jury dann die Punkte für Verständlichkeit und Unterhaltungswert vergaben.

Nach spannendem Rennen letztlich knapp die Nase vorn hatte die Biologin Ulrike Neumann von der Uni Hohenheim: Mit ihrem Thema „Mikroalgen und „Das Minimax Prinzip“ sieht sie eine Lösung, die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung zu sichern. Schon heute werden Minialgen, deren Proteine „so gut wie in der Milch sind“, in Lebensmitteln konsumiert. Lacher gab es, als das Konterfei von Präsident Trump mit dem Genuss von Karotin in Verbindung gebracht wurde. Mit herrlichen Strichzeichnungen entführte die Physikerin und Doktorandin Frauke Seeßelberg vom Max-Planck-Institut in Garching in die Mikrowelt mit ihrem Vortrag „Molekulare Partnervermittlung für Atome mit Niveau“. So gelingt es aus ihrer Sicht in ultrakaltem Medium und dem gezielten Einsatz von Lasern tatsächlich Natrium- und Kaliumatome zu verbinden. Spannend und trefflich illustriert im bayerischen Akzent referierte der Physiker und Mitarbeiter der Ludwig-Maximilian-Universität, Matthias Mader, zum Titel „Unsichtbares sehen – wie man durchsichtige Nanoteilchen detektiert“: So richtig in Fahrt wollte er seine Zeit überschreiten, wurde aber von den charmanten Moderatorinnen Katy Bayer und Vera Engelbart schnell eingefangen. Nicht beirren von kleinen technischen Aussetzern ließ sich der Lebensmittelchemiker und Doktorand vom Fraunhofer-Institut, Christoph Wiedmer, bei seinen Forschungsergebnissen zu „Immer der Nase nach – wie Geruchsstoffe in Spielzeug nachgewiesen werden“. Faszinierend schilderte er den aufwändigen Weg vom Extrakt zur Identifizierung von Gerüchen, wobei neben teuren Apparaten auch der „sniffing port“, die menschliche Nase zum Einsatz kommt. Wiedmer lieferte denn auch das treffendste Fazit des Science Slams: „Es gibt noch viel zu forschen und zu entdecken. Jeden Morgen gehe ich gern ins Labor und schnüffle mit Vergnügen“.

 

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